Freitag, 27.03.2015

Der richtige Umgang mit den „Titeln“ des historischen Adels

In der Weimarer Verfassung wurden 1919 alle Bürger vor dem Gesetz gleichgestellt. Damit wurden faktisch die Standesvorrechte des Adels abgeschafft.

Die Adelsbezeichnungen wurden zu Bestandteilen des Namens. Dabei ist zu unterscheiden zwischen Adels- und Herrschertiteln. Graf, Baron, Freiherr usw. sind seither Bestandteil des Namens und werden selbstverständlich auch vererbt. So heißen die Nachfolger des Herrn Graf von der Pferdewiese selbstverständlich Graf von der Pferdewiese, ebenso wie die Nachfolger der Herren Müller, Meier, Schulze oder Schmidt eben Müller, Meier, Schulze oder Schmidt heißen.

Anders verhält es sich mit Titeln, die eine Herrschaft bezeichnet haben. Großfürst, König, Kaiser oder ähnliches. Diese wurden komplett abgeschafft. Die Träger diese Herrschaftstitel konnten nur ihre Adelstitel in den Namen übernehmen.

Aus diesen Regelungen ergaben sich zahlreiche Fragen, die im Laufe der Zeit durch Gerichte geklärt wurden. So wurde bereits 1926 entschieden, dass die Bezeichnungen geschlechterspezifisch angewendet werden dürfen. Die Tochter des Freiherrn von Pferd muss also nicht Freiherr von Pferd heißen, sondern bekommt als Namen Freifrau von Pferd zugesprochen.

Diese ersten Absätze lassen erahnen, welche Fallstricke sich aus dem Thema für uns Werber ergeben. In medias res:

Das „von“. Oder besser das v.?

Ist das nicht egal? Nein, das ist definitiv nicht egal.

In den letzten Jahrhunderten wanderten aus den Niederlanden viele Menschen nach Deutschland, vor allem in den Norden Deutschlands, ein. Viele dieser Neubürger hatten ein „van“ als Namensbestandteil. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden diese Namensbestandteile in Preußen zu „von“ umgewandelt. Viele von Ihnen dienten in der preußischen Armee. Um die Herren von Adel von diesen „umgewandelten“ zu unterscheiden, kürzte man deren „von“ in ein „v.“ Ein ehemaliger im Adelsstand stehender „Friedrich Albert von Pferdehausen“ wurde also zu „Friedrich Albert v. Pferdehausen“. Ein „Karl von Venlo“ hingegen blieb „Karl von Venlo“. Diese Eigenart setzte sich im Laufe der nächsten 150 Jahre nach und nach im gesamten deutschsprachigen Raum durch, so dass sie heute auch in Süddeutschland durchaus gebräuchlich ist.

Es ist also ein fataler Fehler – der aber sehr oft begangen wird – mit der „Suchen und Ersetzen“-Funktion alle „v.“ zu „von“ zu machen. Bestenfalls erntet der Absender ein mildes Lächeln, schlimmstenfalls verliert er dadurch einen potenziellen oder gar langjährigen Kunden.

Kennzeichnet also das „v.“ den Träger eines „historischen“ Adelstitels, sieht man das bei anderen Adelsprädikaten wie zur, zum, vom, von der usw. ganz anders. Diese Prädikate dürfen keinesfalls abgekürzt werden. Allenfalls das „und“ kann zu „u.“ abgekürzt werden, weil das in der Alltagsschrift anerkannt ist und nicht zu Verwirrungen führt.

Ein vollständiger Name eines „historisch“ Adeligen setzte sich aus drei, vier oder mehr Bestandteilen zusammen. Mindestens sind dies der Vorname, der Familienname und das Adelszeichen, also bspw. „Adalbert v. Pferd“. Dazu können Adelstitel kommen wie Graf, Prinz, Freiherr, Baron usw. So könnte ein vollständiger Name auch „Adalbert Freiherr v. Pferd“ heißen. Der Adelstitel wird vor das Adelsprädikat gesetzt. Adelsprädikate können auch mehrere Bestandteile haben. „von und zu“ ist häufig zu lesen oder auch „von der“.

In diesem Fall wird das „von“ nicht zu „v.“ abgekürzt, es muss es jedenfalls nicht. „Adalbert Karl Maria Prinz von und zu Pferdehausen“ wäre ebenso richtig wie Adalbert Karl Maria Prinz v. und zu Pferdehausen“ oder Adalbert Karl Maria Prinz v. u. zu Pferdehausen“.

Es ist also nicht zu empfehlen, ohne Not an den vorgefundenen Namen Änderungen vorzunehmen. Nur wenn es ganz sicher ist, dass der Name aus der Datenbank definitiv falsch geschrieben ist, sollte er geändert werden.

Eine Besonderheit ist das Adelsprädikat nach dem Familiennamen, bspw. „Adalbert Lessner von Pferdehausen“. Dabei handelt es sich um Adelstitel, die vor allem im süddeutschen Raum und in Österreich vergeben wurden, um eine Ortsbezogenheit aufzuzeigen. Das galt allerdings nur, wenn diese auch bestand. Ansonsten musste auf andere Beinamen zurückgegriffen werden wie „Adalbert Lessner von Marmor“ o. ä.

Eine weitere, seltenere Besonderheit, ist der Genanntname. „Adalbert v. Pferd gen. Lessner“ wird sich in der Praxis einen Namen aussuchen, nach dem er genannt werden möchte. „Adalbert v. Lessner“ oder „Adalbert v. Pferd“. Korrekt wäre eher der „Genannt-Teil“, weil er oft auf eine Adoption oder auf die sehr alte Zeit hinweist, in der die Nachnamen überhaupt erst eingeführt wurden.

Um weitere Differenzierungen anzudeuten, wurden vor 1919 auch „unechte“ Adelsprädikate vergeben wie „Edler“. Auch diese wurden zu Namen gewandelt, so dass es heute noch Namen gibt wie „Adalbert Edler v. Pferd“. Hat Adalbert eine Tochter, heißt diese dann - siehe oben - „Edle v. Pferd“, wobei auch hier wieder wegen der Eindeutigkeit der Herkunft aus dem früheren Adel die Abkürzung „v.“ unterbleiben könnte. Eine ähnliche Variante ist das Adelsprädikat „Ritter“.

Barone und Freiherrn, Baroninnen und Freifrauen, aber nicht mehr Baronessen und Freiinnen

Ohne hier auf die geschichtlichen Differenzen einzugehen, die diese Begriffe – innerhalb des Adels – in den vergangenen Jahrhunderten erzeugten, reicht es hier festzustellen, dass es sich im ehemaligen Rang um in etwa gleichzusetzende handelt. So wie sich die Bezeichnung „Fräulein“ für die unverheiratete Frau überlebt hat, wird man auch die „Baroness“ oder die „Freiin“ (auf keinen Fall „Freifräulein“), ehemalige Bezeichnung für nicht verheiratete „höhere Töchter“ eher Baronin bzw. Freifrau nennen.

Die korrekte Anrede von Baronen gemäß BGB lautet, da der frühere Adelstitel „Baron“ nun Namensbestandteil ist „Adalbert Baron von Pferd“. Möchte man dem Herrn Baron schmeicheln (was uns Werbern ja nicht so ganz fremd ist), schreibt man allerdings besser „Baron Adalbert von Pferd“ und „anerkennt“ somit den Adligen als solchen. Dasselbe gilt für Freiherrn, Grafen, Prinzen o. ä. In der Anrede (siehe nächstes Kapitel) ist die Bezeichnung „Freiherr“ oder „Freifrau“ oft durch „Baron“ bzw. „Baronin“ ersetzt.

Akademische Titel

Selbstverständlich müssen in jedem Fall die akademischen Titel korrekt eingebaut werden. Eine Professorin oder ein Dr. med. bleibt das auch dann, wenn er auch Prinz, Baron oder Freifrau in seinem Namen stehen hat. Unbedingt zu vermeiden sind aber Ketten-Bezeichnungen, mit denen man jeden jemals erworbenen Titel oder Namensbestandteil krampfhaft unterbringen will. Also bloß nicht „Sehr geehrter Herr Altbürgermeister Prof. Dr. rer. Dr. h.c. Baron Adalbert von Pferd, General a.D.“. Besser „Sehr geehrter Herr Baron Prof. v. Pferd“ oder, wenn das in den Kontext passt „Sehr geehrter Herr Altbürgermeister“ oder „Sehr geehrter Herr Baron v. Pferd“ bzw. „Sehr geehrter Herr Professor“.

Auswirkungen auf Anrede und Briefanrede

Wie wird nun also korrekt wer angesprochen?  Grundsätzlich gilt: niemand sollte sich etwas vergeben, wenn er einen Werbebrief schreibt, den Adelstitel angemessen zu erwähnen. Unterwürfigkeit ist jedoch nicht angebracht und wird von den Adressaten in den meisten Fällen auch nicht goutiert. Also: gern „Herr Baron“, aber nicht unbedingt „Seiner Hochwohlgeboren“ – allerhöchstens vielleicht noch „S.H.“ (ohne Leerzeichen). „Seiner Durchlaucht“, „Ihre Hoheit“ u. ä. halte ich, der Autor dieser kleinen Exkursion mit einer mehr als 20jährigen Erfahrung im Verfassen von Werbebriefen, für nicht mehr zeitgemäß.

 

 

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